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Gemüse in Anzuchtschalen vorziehen

Gemüse, Kräuter und Blumen vorziehen

Melanie Melanie
29.01.2022 · 10 Minuten Lesezeit

Bald ist es soweit: Du kannst die ersten Gemüsepflanzen im Haus vorziehen. Mit jedem Monat werden es mehr Sorten, die in Anzuchttöpfchen heranwachsen dürfen. Vor allem wenn du deine Erntesaison verlängern willst, ist das Vorziehen sinnvoll und der Mehraufwand lohnt sich. Welche Sorten du in deinen vier Wänden vorkultivieren kannst und welche nicht, erfährst du in diesem Artikel.

Ab Januar kannst du Gartenluft schnuppern und mit dem Vorziehen von Pflanzen starten. Doch bevor du jetzt alle Samentütchen aufreißt und sämtliche Anzuchttöpfe füllst, warte noch kurz. Denn: Pflanzen haben verschiedene Ansprüche, um wachsen zu können. Wenn du diese ignorierst, wird dein Beet leer bleiben. Nicht jede Pflanze kann zu jeder Zeit ausgesät werden. Und es macht einen Unterschied, ob du für das Gewächshaus, das Freiland oder den großen Topf auf dem Balkon vorziehst.

In diesem Artikel geben wir dir alle Infos an die Hand, die du für dein Projekt „Vorziehen“ brauchst:

  1. Unverzichtbar: Licht und Wärme

  2. Übersicht: Wann kannst du welches Gemüse im Haus vorziehen?

  3. Vorziehen – fürs Gewächshaus oder Freiland?

  4. Nachteile von Vorziehen

  5. Vorteile von Vorziehen

  6. Vorziehen: Schritt für Schritt

  7. Möhren & Co.: Dieses Gemüse nicht vorziehen

  8. Direktsaat Freiland – Vor- und Nachteile

  9. Kann man Kräuter vorziehen? (Übersicht)

  10. Sollte man Blumen und Wildkräuter vorziehen?

Du möchtest noch mehr übers Vorziehen erfahren? In unserem Video zeigen wir dir Schritt für Schritt, was du zum Vorziehen brauchst und wie du je nach Pflanze am besten vorgehst:

1. Unverzichtbar: Licht und Wärme

Das erste, was du bei deiner Jungpflanzenanzucht beachten musst, ist, wie viel Licht und welche Temperatur deine Samen für ein gesundes Wachstum brauchen.

Beispiel: Chili und Physalis. Diese beiden wärmeliebenden Kandidatinnen haben eine lange Keimdauer und brauchen auch sehr lange, bis sie reif werden. Also darfst du sie schon im Januar in Anzuchttöpfe mit Anzuchterde säen. Allerdings mögen sie es auch hell, weshalb du zu dieser Jahreszeit einen künstlichen Helfer brauchst: eine Pflanzenlampe. Denn selbst wenn deine Anzuchttöpfe an einer Südfensterbank stehen, wird das Licht im Winter nicht ausreichen, um überlebensfähige Pflanzen wachsen zu lassen. Hast du doppelt verglaste Fenster, haben die Sonnenstrahlen zu dieser Jahreszeit ohnehin kaum eine Chance, zu deinen Keimlingen durchzudringen. Außerdem brauchen Pflanzen 12–16 Stunden Licht pro Tag für ein kräftiges Wachstum. Zu warm oder zu kalt darf es den jeweiligen Samen auch nicht sein. Chili braucht mindesten 20 °C, während es andere Gemüsesorten gibt, die kühlere Temperaturen bevorzugen, zum Beispiel Salat.

Aber: Ist das jetzt alles echt so wichtig für eine gelungene Jungpflanzenanzucht? Ja, denn deine Pflanzen vergeilen sonst. Stimmt das Verhältnis Licht/Wärme nicht, entwickeln deine Pflänzchen lange, dünne Stiele und knicken um. Aus der Traum vom Selbstversorgerdasein.

Lange dünne Stängel sind ein Anzeichen für schlechte Wachstumsbedingungen.
Zu viel Wärme, zu wenig Licht – diese jungen Keimlinge sind vergeilt.

Ab März wird es leichter. Die Sonne scheint kräftiger und länger, es wird wärmer – die Jungpflanzenanzucht ist dann weniger kompliziert und du kannst mehr Sorten aussäen. Welche, siehst du in unserer Übersicht.

2. Übersicht: Wann kannst du welches Gemüse im Haus vorziehen?

Gemüse vorziehen im Haus Übersicht
Kürbisse, Zucchini und Gurke werden nicht zu mehreren in Anzuchttöpfchen gesät, sondern gleich einzeln in etwas größere Töpfe, da sie nicht pikiert werden sollten.

3. Vorziehen – fürs Gewächshaus oder Freiland?

Ein weiterer wichtiger Punkt ist: Kommen deine Jungpflanzen ins Beet, in ein unbeheizbares oder in ein beheizbares Gewächshaus? Das macht hinsichtlich des Aussaatzeitpunkts einen großen Unterschied. Wenn du zum Beispiel Tomaten fürs Freiland oder unbeheizbare Gewächshaus vorziehen möchtest, musst du bedenken, dass diese sechs Wochen nach der Aussaat nach draußen in die Erde bzw. in ganz große Töpfe müssen. Es bringt nichts, wenn du bereits Anfang Februar Tomaten aussäst, diese aber erst nach den letzten Frösten (Mitte Mai) ins Beet umsiedeln können. Säst du zu früh aus, müssen sie ganz lang in kleinen Töpfen ausharren, haben keinen Platz und zu wenige Nährstoffe zum Wachsen. Da ist es besser, du wartest noch ein paar Wochen, damit deine zukünftigen Gemüselieferanten nicht zu lange eingepfercht leben müssen. (Welches Gemüse muss eigentlich beim Umtopfen tiefer gesetzt werden, damit es wachsen kann? Das erfährst du in unserem Artikel "Pflanzen tiefer setzen".)

Anders verhält es sich, wenn du ein beheizbares Gewächshaus oder einen Folientunnel hast. Diese schützen Pflanzen vor Frost und Kälteeinbrüchen. Deshalb kannst du mit der Aussaat der jeweiligen Sorte zwei bis drei Wochen früher anfangen.

Hinweis: Je nach Wohnort herrschen unterschiedliche Wachstumsbedingungen für Pflanzen. Während man zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen eher gemäßigtes Klima vorfindet, geht es im Süden Deutschlands rauer und unbeständiger zu. Deswegen immer den Wetterbericht im Auge behalten und lieber noch etwas länger mit der Aussaat warten, wenn das Wetter so wechselhaft ist wie die Meinung von manchem Politiker kurz vor den Wahlen.

4. Nachteile von Vorziehen

Welche Nachteile bringt Vorziehen eigentlich mit sich? Ganz klar: Es bedeutet mehr Arbeit. Wenn du dich dazu entschließt, für einige Monate einen kleinen Pflanzenkindergarten in deiner Wohnung aufzumachen, solltest du dir bewusst sein, was da alles auf dich zukommt. Du brauchst zusätzliche Materialien (Anzuchttöpfe, Anzuchtschalen, größere Töpfe, Anzuchterde, eventuell Mini-Gewächshaus und Pflanzenlampe). Du musst auf die richtigen Bedingungen achten (Temperatur, Licht, Wasserzufuhr). Wenn die Pflanzen größer werden, musst du sie pikieren, also in größere Töpfe umpflanzen, damit sie weiterwachsen können. So eine Jungpflanzenanzucht nimmt auch viel Platz in Anspruch und das über mehrere Wochen. Und da du wahrscheinlich keine Nützlinge wie Marienkäferlarven in deinen vier Wänden hast, musst du selbst Schädlinge oder Pilzkrankheiten an deinen Jungpflanzen erkennen und abwehren. Trauermücken und Schimmelpilze sind übrigens immer ein Zeichen dafür, dass die Erde zu feucht ist.

Gefüllte und beschriftete Anzuchttöpfe stehen auf der Fensterbank.
All diese Töpfchen beherbergen mindestens ein Samenkorn, aus dem eine Pflanze wächst. Ganz schön viele Pflanzen, die später pikiert werden müssen ...

5. Vorteile von Vorziehen

Trotz der zusätzlichen Arbeit lohnt es sich aus verschiedenen Gründen, Pflanzen vorzuziehen.

  1. Wetterbedingungen: Da Deutschland recht weit nördlich auf der Erde liegt, sind die hier vorherrschenden klimatischen Bedingungen für einige der Pflanzen, die vielen von uns am besten schmecken, nicht gerade lebensförderlich. Paprika und Tomaten sind unsere Sommer nicht lang genug, dass sie groß werden und Früchte ausbilden. Durch das Vorziehen im Haus kannst du den Sommer für die Pflanzen etwas verlängern und große Früchte ernten. Außerdem sind viele Gemüse- und Kräutersorten frostempfindlich. Spätfröste, wie sie bei uns noch im Mai auftreten können, würden Jungpflanzen dahinraffen. Deswegen muss man sie im geschützten Raum vorziehen.

  2. Erntesaison verlängern: Die Aussaat im Haus ist natürlich früher möglich als die Direktsaat im Freiland, da du im Haus nicht warten musst, bis der Sommer da ist. So kannst du die Anbausaison verlängern und früher und öfter ernten – vor allem bei Sorten, die sehr schnell reif werden, wie etwa bei Salat.

  3. Beet voll ausnutzen: Wenn du vorziehst, kannst du Beetlücken vermeiden. Hast du zum Beispiel deine Radieschen abgeerntet und Salat vorgezogen, kann dieser sofort den freien Radieschen-Platz einnehmen (was du bei der Beetbepflanzung und Beetplanung beachten musst, erfährst du in "Gute und schlechte Nachbarn", "Fruchtfolge" und "Mischkultur"). Das ist gut für den Boden, der niemals ungeschützt Wind und Wetter ausgeliefert sein sollte, da durch Regen und Wind wertvoller Humus verlorengehen kann.

  4. Pflanzabstände einhalten: Es ist leichter, die richtigen Pflanz- und Reihenabstände einzuhalten, wenn man bereits Jungpflanzen zur Hand hat. Diese Abstände sind wichtig, damit sich die jeweiligen Pflanzen gut entwickeln können und weniger Schädlinge und Pilzkrankheiten bekommen.

  5. Mitessern zuvorkommen: Samen werden gerne von Vögeln gegessen oder von Ameisen verschleppt, da die Samen essbare Anteile für die kleinen Krabbeltiere enthalten. Wer im Topf aussät, muss weniger mit der Tierwelt teilen.

  6. Forscherdrang: Wenn du im Haus aussäst, kannst du deine Pflanzen besser beobachten. Im Garten entgehen dir manche Entwicklungen, weil so vieles auf einmal schießt. Wenn du hingegen die Töpfchen bei dir auf der Fensterbank stehen hast, siehst du viel besser, wie sich aus den kleinen Samen langsam Keimlinge entwickeln. Du entdeckst, wie unterschiedlich Keimblätter aussehen können, wie sich die Wachstumsphasen unterscheiden, wie gesunde und wie kränkliche Pflänzchen aussehen. Das ist richtig cool und hilfreich für weitere erfolgreiche Gartenjahre!

6. Vorziehen: Schritt für Schritt

Gemüse in Anzuchtschalen vorziehen
  • Anzuchttöpfchen mit Anzuchterde füllen

  • Samen nach Angaben ausbringen

  • Am besten legst du eine Folie oder eine Glasscheibe über deine Anzuchttöpfchen, um ein günstiges Mikroklima zu erzeugen. Oder du bastelst/kaufst ein Mini-Gewächshaus. Wichtig ist, die Abdeckung jeden Tag ein paar Minuten von den Töpfchen zu entfernen, um Schimmel zu vermeiden.

  • An einen geeigneten Ort stellen. Chilis z.B. brauchen eine warme Temperatur (ca. 20 °C) und viel Helligkeit, um zu keimen. Säst du sie im Januar aus, müssen sie an einem warmen Ort stehen und du musst die fehlende Helligkeit durch eine Pflanzenlampe ausgleichen.

  • Bis zur Keimung feucht halten, aber Staunässe unbedingt vermeiden (sonst drohen Schimmel und eine Trauermückenplage!)

  • Nach der Keimung Abdeckung entfernen

  • Wenn sich das erste richtige Blattpaar gebildet hat, pikieren. Dafür einen etwas größeren Topf nehmen und mit Gemüseerde füllen. Ein Loch in die Erde bohren, das tief genug für das Pflänzchen ist. Dieses vorsichtig mit Pikierstab oder Holzstäbchen aus dem Anzuchtgefäß herausheben und in den neuen Topf setzen. Erde leicht andrücken, wieder gießen.

  • Sonderfall Vergeilen: Bekommt eine Pflanze zu wenig Licht und/oder steht sie zu warm, entwickelt sie lange, dünne Hälse – sie ist vergeilt. Beim Umtopfen in größeren Topf die Pflanze tiefer setzen, sodass sie jetzt die Chance hat, einen kräftigen Stängel auszubilden (diese Pflanzen solltest du immer tiefer pflanzen).

  • Ab ins Freiland: Kälteempfindliche Pflanzen ziehen erst nach den letzten Frösten (ca. Mitte Mai) ins Beet um.

    7. Möhren & Co.: Diese Gemüse nicht vorziehen

Einige Sorten mögen es gar nicht, in kleine Anzuchttöpfchen eingepfercht zu werden. Das sind vor allem Wurzelgemüse wie Möhren, Pastinaken und Schwarzwurzel. Sie müssen eine lange, dicke Wurzel bilden können und brauchen dafür Platz nach unten. Bei Roter und Gelber Bete scheiden sich die Geister: Manche sagen, es sei kein Problem, die dicke Knolle vorzuziehen. Andere wiederum raten davon ab. Probier es am besten einfach mal selbst aus. Grundsätzlich ist Wurzelgemüse nicht fürs Pikieren geeignet, da die zarten Wurzeln zu empfindlich sind. Werden sie verletzt, wächst keine dicke Wurzel heran – aber genau die wollen wir ja ernten.

Auch Mangold und Spinat halten nichts davon, von der Fensterbank aus nach draußen zu starren. Besser du säst sie sofort im Beet aus.

Erbsen wachsen auf dem Beet.
Erbsen säst du besser gleich an Ort und Stelle aus.

Diese Pflanzen haben wenig Lust auf Vorziehen:

  • Erbse (Ausnahme: Ernte von Sprossen als Ziel, dann Vorziehen möglich)

  • Bohne

  • Radieschen

  • Karotte

  • Zwiebel

  • Knoblauch

  • Rote Bete

  • Pastinake

  • Chicoree

  • Kartoffel (wird ohne Erde vorgekeimt, z.B. im Eierkarton)

8. Direktsaat Freiland: Vor- und Nachteile

Es gibt auch gute Gründe, warum es sich lohnt, direkt im Freiland auszusäen. Wenn die Erde nicht mehr an den Gummistiefeln klebt, ist sie bereit, bearbeitet zu werden. Du kannst dann Kompost einarbeiten und aufkeimendes Unkraut jäten. Dann, wenn es warm genug ist, geht es ans Aussäen. Wenn deine Pflanzen direkt im Beet wachsen, ersparst du ihnen (und dir) die Strapazen des Pikierens. Du schonst ihre Wurzeln und sie danken es dir mit einem weit verzweigten Wurzelwerk, das ihnen eine eigenständige und funktionierende Wasser- und Nährstoffaufnahme ermöglicht. Außerdem sind Pflanzen, die gleich an Ort und Stelle wachsen, stabiler und kräftiger, da sie von „Geburt“ an von Wind und Wetter abgehärtet werden. Sie haut dann so schnell nichts mehr um, im Gegensatz zu den „verhätschelten“ Jungpflanzen aus deinem Haus. Letztere müssen sich erst mal an die Freiheit gewöhnen und sind anfälliger für Sonnenbrand (braune Flecken auf den Blättern) sowie Windschäden. Und sie können mit Trockenperioden schlechter umgehen, da sie zuvor ja von dir regelmäßig mit Wasser versorgt wurden.

Außerdem sparst du dir die Anschaffung von Anzuchttöpfchen, Aussaaterde und – je nach Gemüsewunsch – den Kauf einer Pflanzenlampe.

9. Kann man Kräuter vorziehen?

Anstatt Kräutertöpfe im Supermarkt zu kaufen, kannst du auch eigene Kräuter aus Samen ziehen. Dabei gehst du wie unter "Vorziehen: Schritt für Schritt" beschrieben vor.

Diese Kräuter kannst du im Haus vorziehen:

Aussaatplan: Kräuter und essbare Blumen im Haus vorziehen.
Bärlauch, Knoblauchsrauke und einige mehr sind übrigens Kaltkeimer. Damit sie keimen, braucht es ein paar Tricks, die man sich von der Natur abschauen kann.

Besser direkt ins Beet säen: Bärlauch, Dill, Fenchel, Liebstöckel, Kamille, Kerbel, Koriander, Kresse, Rucola

Tipp 1: Da Fensterbänke oftmals kalt sind, kannst du eine dicke Schicht Zeitungspapier unter deine Töpfe legen, damit die Pflanzen keine kalten Füße bekommen.

Tipp 2: Wenn sich direkt unter der Fensterbank eine Heizung befindet, nimmst du ein Holzbrett, das etwas breiter ist als die Fensterbank, damit die Heizungsluft an deinen empfindlichen Pflänzchen vorbeigeleitet wird.

Hinweis: Bei manchen Kräutern dauert es bis zu zwei Jahre, bis sie zu einem großen, ertragreichen Strauch herangewachsen sind.

10. Sollte man Blumen und Wildkräuter vorziehen?

Nicht nur Kräuter und Gemüse sind essbar. Auch Blüten und Wildkräuter können auf deinem Teller landen. Zu den essbaren Blüten zählen zum Beispiel Kapuzinerkresse, die einen scharfen Geschmack hat, oder Spitzwegerich, dessen Fruchtkörper als Champignonersatz dienen kann. Essbare Blumen lassen sich teilweise vorziehen, besser jedoch, du säst sie direkt an Ort und Stelle aus.

  • Vorziehen: Kapuzinerkresse (März–April), Ringelblume (März–April), Sonnenblume (März)

  • Nicht vorziehen: Borretsch, Spitzwegerich, Kornblumen, Gänseblümchen, Veilchen, Glockenblumen, Gundelrebe

Kapuzinerkresse kannst du bedenkenlos in der Anzuchtschale vorziehen.
Kapuzinerkresse kannst du bedenkenlos in der Anzuchtschale vorziehen.