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Zwei Hände halten Erde mit vielen Regenwürmern.

Boden gut machen

Melanie Melanie
28.04.2022 · 9 Minuten Lesezeit

Wenn du erfolgreich gärtnern willst, musst du ein bisschen etwas darüber lernen, wie Boden funktioniert. Es gibt unterschiedliche Arten von Böden. Je nachdem, was du anpflanzen willst, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein, damit dein Gemüse oder deine Blumen wachsen können. Zudem erfährst du in diesem Artikel, wer deine besten Freunde im Garten sind – und wovon du lieber die Finger lassen solltest, wenn dir ein biologisches Arbeiten im eigenen Grünen wichtig ist.

Das erwartet dich:

  1. Lebendiger Boden durch die richtige Pflege

  2. Die vier Bodenschichten

  3. Von Ton bis Sand – die verschiedenen Bodenarten und wie du sie erkennst

  4. Sonderfall Wildblumenwiese – Voraussetzungen und Vorgehensweise fürs Anlegen

1. Lebendiger Boden durch die richtige Pflege

Wenn es deinem Gartenboden gutgeht, dann nur, weil sich darin viele nützliche Lebewesen tummeln. Sie sind es, die tote Blätter und Tierkörper in Humus verwandeln, also in die Erdschicht, welche fruchtbar ist. Im Schnitt teilen sich 4 Billionen Bakterien und Pilze, 1 Million Fadenwürmer, 500 000 Geißeltierchen, 200 000 Milben und 100 000 Springschwänze mit 80 000 Ringelwürmern und 80 Regenwürmern 1 Quadratmeter gesunden Boden. Diese Mikroorganismen arbeiten unermüdlich und sind der Grund, warum unsere Gärten blühen und unsere Teller voller Essen sind.

Humusreichen Gartenboden vorzufinden, ist ein Glücksfall. Normalerweise ist immer irgendwas nicht optimal: zu viel Sand, zu wenig Lehm, zu viel Unkraut, zu wenig Nährstoffe. Insgesamt kann es 3–4 Jahre dauern, bis sich durch deine Arbeit und die deiner Bodenorganismen fruchtbarer Gartenboden gebildet hat. Wenn der Boden zuvor durch intensive Landwirtschaft geschädigt wurde, dauert es sogar 5–15 Jahre, bis er sich erholt hat. Ein Grund mehr, von Beginn an sorgfältig mit dem Stückchen Erde umgehen, für das man zuständig ist.

Damit sich deine Bodenlebewesen und somit später deine Pflanzen wohlfühlen, solltest du folgende drei Fehler vermeiden: zu tiefes Umgraben, Einsatz von chemischem Dünger und nackte Erde.

  • Wieso ist Umgraben schlecht? Zunächst sollte man nicht nachmachen, was häufig in Gärten und auf dem Feld zu beobachten ist: Erstmal alles ganz tief umgraben. Das lockert zwar das Beet oberflächlich, jedoch nur für kurze Zeit. Beim nächsten Regen entstehen dichte, dicke Erdklumpen, das Wasser läuft einfach ab, der Boden verdichtet. Kurz gesagt: Die ganze Arbeit war umsonst. Und dann die Mikroorganismen. Durchs Umgraben geraten diejenigen von ihnen, die eigentlich in der Dunkelheit leben, ans Licht und sterben. Genauso verhält es sich mit den Bewohnern, die an der Oberfläche arbeiten, und durch einen zu gierigen Spateneinsatz in tiefere Schichten geraten, in denen sie ersticken.

    Umgraben kann man sich sparen, außer man legt zum ersten Mal ein Gemüsebeet auf einer Rasenfläche an.
    Sieht vielleicht fleißig und gut aus, bringt aber nichts: Wer umgräbt, schadet dem Boden.

    Deinen Garten solltest du aus den genannten Gründen nicht umgraben, auch nicht im Herbst. Hast du jedoch einen verdichteten Boden oder eine reine Rasenfläche, bleibt dir zunächst gar nichts anderes übrig, als umzugraben und zu lockern. Hierbei trägst du erst mal die obere Grasnarbe ab, dann greifst du am besten zum Sauzahn, der schonend zur Verbesserung beiträgt. Auch die Grabegabel geht sanft mit den Bodenorganismen um. Nach ein paar Jahren musst du schließlich gar nicht mehr umgraben, da sich bei der richtigen Behandlung ein gesunder, lockerer und fruchtbarer Boden gebildet haben wird.

  • Warum schadet chemischer Dünger? Bodenlebewesen verarbeiten das, was von der Oberfläche zu ihnen kommt. Sie bauen Humus auf und Giftstoffe ab. Doch mit chemischem Dünger können sie nichts anfangen. Er löst sich in Wasser und überfüttert die Pflanzenwurzeln. Diese müssen nicht mehr weiterwachsen, um Nährstoffe zu suchen, weil sie ja alles vor die Haustür geliefert bekommen. Knöllchenbakterien, die eigentlich den Wurzeln ihre Nährstoffe zuführen, verschwinden. Auch Regenwürmer ziehen sich zurück, wenn mit chemisch erzeugten, löslichen Salzen gedüngt wird. Der Einsatz von chemischem Dünger schwächt Pflanzen, sie enthalten viel mehr Wasser und kaum noch Nährstoffe. Als Folge schmecken Gemüse und Obst wässrig und fad. Zudem breiten sich Krankheiten und Schädlinge unter den Pflanzen aus. Diese Plagen wiederum vernichten ganze Ernten oder sie werden mit Pestiziden bekämpft, die den Boden und das darin enthaltene Leben weiter schädigen. Die Schadstoffe gelangen in den Organismus der Tiere und somit auch in unsere Körper.

    Gesunder Boden – oder solcher, der es werden soll – braucht keinen chemischen Dünger. Mulchmaterial, organischer Dünger und Jauchen etwa leisten viel bessere Arbeit, da sie natürlichen Ursprungs sind und von deinen fleißigen Helfern auch wirklich aufgenommen und in Nährstoffe umgewandelt werden können.

  • Wieso sollte man keine nackte Erde im Garten haben? Beete im Herbst komplett abräumen, bedeutet, den Mikroorganismen ihren Schutz nehmen. Sie erfrieren schneller, durch Regen verkommen ihre Erdwohnungen zu Klumpen, Wind verweht wertvollen Humus. Lass unbedingt und immer, egal zu welcher Jahreszeit, eine Mulchschicht auf deinen Beeten liegen. Sie ist auch Voraussetzung für das Entstehen von neuem Humus.

2. Die vier Bodenschichten

Ein Boden, dem es gutgeht, krümelt und riecht gut. Diese Schicht ist die oberste und wird Humus genannt. Ihre Dicke beträgt lediglich 10–30 cm. In ihr sind alle wichtigen Nährstoffe enthalten, die Pflanzen zum Wachsen brauchen.

Grundsätzlich besteht Boden aus vier Schichten:

  • Die ersten 5 cm: Bodendecke aus Laub und Mulch + Rotteschicht mit Bakterien, Pilzen, Kleintieren

  • Die nächsten 20–30 cm: Humus mit Mikroorganismen, Stickstoffbakterien, Algen, Wurzelpilzen

  • Die nächsten bis zu 250 cm: Mineralschicht (Sand, Kies, Stein – je nachdem, welches Ausgangsgestein vorherrscht; Wasserreservoir)

  • Darunter: Muttergestein (unverwitterter Fels)

Guter Boden entwickelt sich nicht nur von oben, sondern auch von unten. Wenn du ganz tief graben würdest, würdest du irgendwann auf eine Gesteinsschicht stoßen. Dieses Ausgangsgestein heißt auch „Muttergestein“ und ist unterschiedlich, je nachdem, wo du wohnst. Durch chemische und biologische Prozesse werden von diesem Ausgangsgestein immer wieder Mineralteilchen freigesetzt, die deinen Boden beeinflussen. Von oben hingegen kommt das hinzu, was auf dem Boden liegt (Laub, Äste, tote Tiere etc.) und von den Mikroorganismen zersetzt und umgewandelt wird.

Ein jeder Boden bildet mit Pflanzen und Tieren eine Symbiose. Er nimmt auf, was man ihm gibt, und gibt ab, was in ihm steckt. Fällt ein Blatt vom Baum, wird dieses von Bodentieren, Pilzen und Bakterien zerkleinert. Zellulose und Proteine verwandeln sich so in wasserlöslichen Zucker und Aminosäuren. Einen Teil davon schnappen sich Mikroorganismen, ein anderer wird an den Baum in Form von zum Beispiel Stickstoffverbindungen zurückgegeben.

Es existiert also ein Kreislauf zwischen dem Boden und den Lebewesen, die tagtäglich auf ihm wandern oder wachsen, leben oder sterben. Auch wir werden letzten Endes vom Boden aufgenommen, und während unserer gesamten Lebensdauer essen wir das, was auf irgendeinem Stück Erde gewachsen ist. Es ist egal, ob du dich vegan oder vegetarisch ernährst oder Fleisch isst: Ohne Boden gäbe es kein Sojahackfleisch, ohne Futterpflanzen keine Tierprodukte. So oder so sind wir vom Boden abhängig und sollten deswegen respektvoll mit ihm umgehen.

Bauer spritzt Pestizide auf seine Weinstöcke und trägt dabei Schutzkleidung.
Wer einen toten Boden hat, auf dem nur kränkliche Pflanzen wachsen können, muss öfter die Giftspritze rausholen. So kommt es, dass man in der konventionellen Landwirtschaft in einer Saison Mais zwei Mal, Weizen sechs Mal, Hopfen neun Mal, Kartoffeln zwölf Mal, Wein 18 Mal und Äpfel 31 Mal in Pestizidwolken einhüllt. Wer eine komplette Schutzkleidung beim Anbau von Obst und Gemüse braucht, sollte vielleicht seine Methoden überdenken. Sowohl auf dem Acker als auch im eigenen Garten gilt: Wer zu viel von seinem Boden verlangt und ihn künstlich zu Höchstleistungen antreiben will, schadet ihm.

3. Von Ton bis Sand – die verschiedenen Bodenarten und wie du sie erkennst

Nicht jeder Boden ist gleich, da er sich aus verschiedenen Bestandteilen zu unterschiedlichen Anteilen zusammensetzt.

Was du in deinem Garten vorfinden kannst:

  • Sandboden

  • Lehmiger Sand

  • Sandiger Lehm

  • Lehmboden

  • Toniger Lehm

  • Ton

Extrem Nr.1: Sandboden

Sogar auf reinem Sandboden können Pflanzen wachsen.
Auf Sandboden Gemüse anbauen ist schwer – doch andere Pflanzen brauchen genau diesen nährstoffarmen Untergrund, um überhaupt existieren zu können.
  • Besteht aus: großen Teilchen des mineralischen Anteils, v. a. Sandkörner, die nicht aneinanderkleben und viel Luftraum lassen

  • Erkennbar daran, dass: er durch deine Finger rieselt, sobald du ihn in die Hand nimmst

  • Vorteile: Boden erwärmt sich schnell und Pflanzen können ihn leicht durchwurzeln; leicht zu bearbeiten

  • Nachteile: Wasser und Nährstoffe halten sich schlecht; wenig fruchtbar

  • Verbesserungsmöglichkeiten: mit Kompost die Fähigkeit zur Wasser- und Nährstoffspeicherung erhöhen; Mulchen, um Feuchtigkeit im Boden zu halten

Extrem Nr. 2: Tonboden

Tonboden platzt bei Trockenheit auf.
Bei Trockenheit platzt Tonboden auf – Pflanzen haben es schwer, auf ihm zu überleben, wenn nicht genügend gegossen wird.
  • Besteht aus: kleinen Teilchen des mineralischen Anteils, die dicht beieinanderliegen und alles verkleben; kaum Zwischenräume für Luft, Wasser und Nährstoffe

  • Erkennbar daran, dass: er fest aneinanderklebt, wenn du ihn zusammendrückst

  • Vorteile: kann Nährstoffe speichern

  • Nachteile: wenig Sauerstoff; Wurzeln haben es schwer, ihn zu durchwachsen; bei Trockenheit platzt der Tonboden auf, bei hoher Wasserzufuhr klebt er zusammen; schwer zu bearbeiten

  • Verbesserungsmöglichkeiten: mit Kompost und Mulch; zusätzlich Gründüngung darauf wachsen lassen, um den Boden zu lockern

Mischung der beiden Extremen: Lehmboden

  • Besteht aus: abwechselnd kleinen und großen Teilchen, die wie Plättchen aufeinanderliegen

  • Erkennbar daran, dass: er in kleine Krümel zerbröckelt, wenn du ihn zwischen den Fingern reibst

  • Vorteile: kann Luft, Wasser und Nährstoffe speichern; erwärmt sich schnell; gute Voraussetzungen für Bodenlebewesen; gut zu bearbeiten; relativ fruchtbar

  • Nachteile: je nach Zusammensetzung gibt es tonig-schwere und sandig-leichte Lehmböden, wodurch sich wiederum zu nasse, kalte oder zu durchlässige Erden ergeben

  • Verbesserungsmöglichkeiten: Ziel ist es, die Struktur durch sanfte Bearbeitung aufrecht zu erhalten und die Fruchtbarkeit mit Kompost, Mulch und Fruchtwechsel zu steigern und zu erhalten

Ein Lehmboden ist eine Mischung aus den beiden Extremen Sandboden und Tonboden. Indem du mit den Bodenorganismen zusammenarbeitest, entsteht im Laufe der Zeit auch in deinem Garten ein guter Lehmboden mit Humusschicht. Füttere sie mit Mulch und Kompost, lass Gründüngung wachsen (z.B. Rotklee, Phazelia), und du wirst an deiner Ernte erkennen, wie sich die Bodenqualität verbessert.

Hinweis Kompost/Mulch: Damit diese Schichten umgewandelt werden können, ist Sauerstoff notwendig. Also nie feuchte oder zu schwere Materialien ausbringen, da sonst Fäulnisbakterien auftreten und kein Humus entstehen kann.

Vorsicht vor Düngen mit Tiermist: Es ist sehr beliebt, den Boden mit Hinterlassenschaften von Tieren zu füttern. Doch wenn Pferde & Co. regelmäßig mit Wurmmitteln behandelt werden, sind diese langlebigen Inhaltsstoffe auch im Mist enthalten. Deinen Bodenorganismen schadest du dann durch die Ausbringung von tierischem Dünger, da sie die darin enthaltenen und für sie tödlichen Stoffe aufnehmen. Außerdem kann es sehr leicht passieren, dass du zu viel von dem Mist ausbringst und deinen Boden dadurch mit Nitrat und Phosphor überdüngst.

4. Sonderfall Wildblumenwiese – Voraussetzungen und Vorgehensweise fürs Anlegen

Eine Wildblumenwiese leuchtet in allen Farben.
Pflanzen sind spezialisiert auf verschiedene Lebensräume. Eine Glockenblume kann nicht dort wachsen, wo ein Alpenveilchen sich wohlfühlt und umgekehrt. Fettwiesen und -weiden sind die bei uns vorherrschenden Lebensräume und gleichzeitig die, die die geringste Lebensqualität bieten. Lediglich 90 Arten können auf überdüngten Äckern und Fluren überleben. Auf Schutt- und Kiesplätzen beziehungsweise Wegen leben circa 360 Arten. Trockenrasen, Magerrasen, steinige Hänge und Mauern beherbergen etwa 300 Arten. In Gewässern, Mooren und Sümpfen findet man bis zu 330 Pflanzenarten, in Wäldern, Waldrändern, in Gebüschen und auf Auen circa 600. Sogar in den Alpen zählt man um die 120 unterschiedliche Pflanzenarten, am kargen Meeresstrand und an der Küste finden immerhin noch circa 40 Arten lebensfreundliche Bedingungen.

Je nährstoffärmer dein Gartenboden ist, desto besser werden darauf Wildblumen wachsen können. Sie sind wahre Hungerkünstler und brauchen kaum Nährstoffe, um zu blühen. Je mehr du düngst, desto weniger gut können Mohn, Kornblume, Glockenblume etc. wachsen und sich gegenüber Gräsern, Löwenzahn, Giersch, Hahnenfuß und anderen stickstoffliebenden Pflanzen behaupten.

Möchtest du eine bunte Wildblumenwiese für Bienen und Hummeln anlegen, lässt du die Finger von sämtlichen Düngemitteln, da fetter Boden nichts für die zarten Blümchen ist. Mit einem Spaten trägst du die obere Grasnarbe ab (30 cm, das ist die humusreichste Schicht), bringst breitwürfig die Wildblumensamenmischung aus und rechst sie ein (damit nicht gleich alles von Vögeln gefressen wird). Alternativ kannst du mit einer Schaufel (mit Schwung) Sand darüber ausbringen. So sind die Samen bedeckt und weniger gut auffindbar für Tiere.

Wenn du bis Anfang September mit dem Anlegen der Blumenwiese wartest, musst du nicht mal gießen. Der Niederschlag reicht aus, um die Samen nicht austrocknen zu lassen. Im Frühjahr treiben sie von selbst aus, sobald die Voraussetzungen stimmen.

bodenbearbeitung mit rechen
Nachdem du die Samen ausgebracht hast, greifst du am besten zum Rechen und arbeitest sie oberflächlich ein. So werden nicht gleich alle Blumensamen von Vögeln und anderen fleißigen Mitessern aus der Erde geholt.

Arbeiten, die für eine Wildblumenwiese anfallen:

  • 1. Jahr: im Herbst Wiese wie oben beschrieben anlegen

  • 2. Jahr: maximal zweimal mähen; frühestens Mitte Juni, wenn die Samenstände ausgreift sind, ein zweites Mal im Herbst

  • Schnitt nicht liegenlassen, da dieser sonst verrottet und der Erde wieder Nährstoffe hinzufügt, wodurch der Wuchs von Gras, Löwenzahn etc. gefördert wird

Tipp: Bei der Auswahl von Saatgut am besten regionalen Wildblumenmix wählen; die darin enthaltenen Sorten sind auf die in deiner Region vorherrschenden Bedingungen angepasst und können sich gut gegen Fremdwuchs behaupten.

Quellenangabe:

  • Der Bio-Garten, Marie-Luise Kreuter

  • Greenpeace Magazin - Alles kreist, 4. Ausgabe 2021

  • Drei-Zonen-Garten, Markus Gastl

  • https://www.umweltbundesamt.de/themen/zu-viel-duenger-schadet (Stand: 27.04.2022)