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Beet anlegen, erster Spatenstich

Gemüsebeet anlegen – dein Start in die Selbstversorgung

Lisa Lisa
30.06.2022 · 8 Minuten Lesezeit

Der Entschluss ist gefasst: ein eigener Gemüsegarten muss her! Eine freie Fläche hast du schon mal. Aber wie geht es jetzt weiter? In diesem Artikel zeigen wir dir, wie du – auch kurzfristig – Gemüsebeete anlegst, erklären die einzelnen Schritte und stellen 3 Möglichkeiten vor, wie auf einer Wiese ohne Umgraben eine Anbaufläche entstehen kann.

Das erwartet dich

Bevor du loslegst...

Am besten überlegst du dir vorab, was du von deinem Gemüsegarten erwartest und was er von dir an Pflegeaufwand erwarten kann. Nur wenn du eine Gestaltungsform wählst, die zu dir und deinen Bedürfnissen passt, wirst du das perfekte Gleichgewicht aus Arbeitsaufwand und Erträgen finden, ohne dich zu überfordern. Schau dir dazu unseren Artikel zur richtigen Größe für deinen Gemüsegarten an. Auch der Standort sollte weise gewählt werden, denn dieser Faktor nimmt großen Einfluss auf den späteren Erfolg deines Gemüsegartens (hier geht’s zum Artikel).

Du brauchst einen Plan

Nachdem du Standort und Größe deines Gemüse-Kleinods festgelegt hast, geht es an die konkrete Beetplanung. Wie du bei der Einteilung der Beete und bei der Auswahl der Pflanzen beachten solltest, haben wir dir in unserem Artikel zur Planung eines Gemüsegartens zusammengefasst. Dort findest du auch eine Anleitung, wie du bei der Erstellung eines Beetplans vorgehst sowie einen Muster-Beetplan nach dem Prinzip der Vierfelderwirtschaft zum Ausdrucken.

Wichtig ist, dass du eine Aufteilung mit verschiedenen Beeten findest, die sowohl die Gegebenheiten deines Gartens als auch deine persönlichen Bedürfnisse und Erfahrungen berücksichtigt.

Für den Anfang empfehlen wir dir, deine Grundfläche in 4 gleich große Beete einzuteilen und darauf einen jährlichen Fruchtwechsel zu planen.

Grafik Beetplan
Indem du Pflanzen mit hohem und solche mit niedrigem Nährstoffbedarf jedes Jahr in einem anderen Beet anbaust, schonst du den Boden. Sogenannte Stark-, Mittel- und Schwachzehrer rotieren dabei immer ein Beet weiter. Mit einer Gründüngung führst du deinem Garten im vierten Jahr Nährstoffe für eine erneute Anbauphase zu.

Mach dir dazu eine maßstabsgetreue Zeichnung deines Gartens, in die du Beete und Wege einzeichnest. Für die Breite der Beete sind 1,20 Meter eine etablierte Größe, da du so von beiden Seiten bis in die Mitte des Beets greifen kannst. Länger als 5 Meter sollte ein Beet ohne Zwischenwege auch nicht sein, da man sonst dazu neigt, bei der Arbeit Abkürzungen durch die frisch bepflanzten Beete zu nehmen. Die Wege sollten mindestens so breit sein, dass du bequem darauf gehen und stehen kannst (auch seitlich!), also in etwa 30 bis 40 cm je nach Schuhgröße.

Gelände abmessen und abstecken

Das brauchst du:

  • Holzkeile

  • Ggf. Hammer

  • Lange Schnur (Maurerschnur)

  • Metermaß oder langes Maßband

  • Edelstahlwinkel oder Metermaß (wenn deine Beete eckig werden sollen)

Endlich geht es nach draußen! Um deine Beete gerade anlegen zu können, brauchst du eine Bezugslinie, zum Beispiel eine Hecke, ein Haus oder eine Straße, von der aus du zunächst in einem bestimmten Abstand einen Keil in die Erde schlägst. Davon ausgehend misst du dann parallel zu deiner Bezugslinie die Länge deines Gartens mit einem Maßband ab und schlägst einen zweiten Keil in die Erde. Jetzt wickelst du eine Schnur um den ersten Keil und spannst sie bis zum zweiten.

Mit einem Metermaß kannst du jetzt einen rechten Winkel legen, von dem aus du die Breite deines Gartens abmisst. So gehst du weiter vor, bis du die rechteckige Fläche deines zukünftigen Gartens vor dir siehst. Bedenke beim Abmessen, dass die Keile und Schnüre deine Arbeitsfläche nach außen begrenzen. Rechne also beim Abstecken auf deine geplante Beetfläche 5–10 cm drauf.

Bei der Form deines Beetes sind der Fantasie übrigens keine Grenzen gesetzt: sie können ebenso rund wie drei- oder achteckig sein. Rechteckige Beete sind aber am leichtesten zu bearbeiten.

Gras entfernen, umgraben, fräsen – was tun?

Jetzt kommen wir zu einer Grundsatzfrage beim Thema „Beet anlegen“: Gras entfernen, abdecken oder einfach Kompost aufschütten? Die Meinungen dazu gehen in der Garten-Community weit auseinander.

Uns allen ist klar: Ein gesunder Boden ist die Grundlage eines ertragreichen Gartens. Das wertvolle Gleichgewicht von Insekten und Mikroorganismen, die ohne großes Aufsehen Humus produzieren, den Boden auflockern und den Pflanzen Nährstoffe zur Verfügung stellen, ist aber äußerst fragil und jeder Eingriff sollte wohlüberlegt sein.

Durch Umgraben oder Fräsen beispielsweise wird der Lebensraum der hilfreichen Tierchen auf den Kopf gestellt, die Gänge der Regenwürmer werden zerstört und der Boden wird anfälliger für Umwelteinflüsse. An der Oberfläche lebende Insekten werden nach unten befördert, während die Geschöpfe der Dunkelheit plötzlich dem Licht ausgesetzt sind. Die meisten von ihnen überleben die Prozedur nicht. Das Ökosystem „Garten“ gerät aus dem Gleichgewicht, der Boden verdichtet sich und Schädlinge breiten sich leichter aus. Deshalb solltest du deinen Garten nach Möglichkeit nicht umgraben.

Was aber, wenn noch gar kein Garten da ist, du Beete auf einer Wiese anlegen möchtest oder der Boden stark verdichtet ist?

Da wir für den Gemüseanbau gras- und unkrautfreie Beete benötigen, kann es sinnvoll sein, die Grasnarbe (ja, das heißt wirklich so) vor dem Anlegen der Beete abzutragen oder das Gras absterben zu lassen. Dadurch wird verhindert, dass Gräser und vor allem Wurzelunkräuter durch die aufgetragene Humusschicht wachsen und dir später das Gärtnerleben schwer machen. Beachte aber, dass auch das Abtragen der obersten Erdschicht einen Eingriff in das Bodenleben darstellt.

Draufsicht auf Garten, bei den die Grasnarbe abgetragen wurde

Um verdichteten Boden aufzulockern, wird dieser so schonend wie möglich bearbeitet, zum Beispiel mit einem Sauzahn. Auch Pionierpflanzen wie die Kartoffel können mit ihren Wurzeln dazu beitragen, den Boden für künftige Kulturen zu lockern. Wie du deine Bodenart bestimmt und wie du dichten Boden sonst noch verbessern kannst, erfährst du in unserem Artikel „Boden gut machen“.

Es gibt also auch beim Thema Bodenbearbeitung nicht nur "alles Umgraben" oder "gar nicht bearbeiten". Es kommt ganz auf die Voraussetzungen in deinem Garten an, ob und wie viel du in das Bodenleben eingreifen musst.

3 Möglichkeiten, ein Gemüsebeet auf einer Wiese anzulegen

  1. Lichtentzug: Bedecke die gewünschte Fläche über den Winter oder für 2 Monate mit einer dunklen Folie. Danach lockerst du den Boden mit einem Krail und bedeckst ihn mit ca. 10 cm Humus oder Kompost.

  2. Muskelkraft: Nutze einen scharfen Spaten, um die Grassode abzustechen. Das geht am besten, wenn der Boden nicht zu trocken ist. Stich zuerst ein paar Zentimeter senkrecht in die Erde, bevor du in einem flacheren Winkel das Gras mitsamt Wurzeln abträgst. Auch hier solltest du wieder 10 cm Humus oder Kompost auffüllen. Die abgetragene Grasnarbe bloß nicht wegschmeißen. Du kannst du zum Beispiel beim Befüllen von tiefen Hochbeeten als unterste Schicht verwenden.

  3. Pionierpflanzen: Pflanze im Vorjahr Kartoffeln, Erbsen oder Bohnen auf der Fläche. Ihre Wurzeln lockern den Boden und reichern ihn mit Nährstoffen an. Du kannst diese Methode auch mit den ersten beiden kombinieren, indem du zuerst das Gras entfernst und dann den Boden mithilfe der Pionierpflanzen lockerst. Hier reicht es, eine etwas dünnere Schicht Humus oder Kompost von 5–10 cm aufzutragen.

Egal, für welches Vorgehen du dich entscheidest: Suche die Fläche vor dem Auftragen der Humusschicht unbedingt nach Resten von Wurzelunkräutern wie Quecke oder Giersch ab – schon aus kleinsten Wurzelresten können neue Pflanzen entstehen und die Arbeit war umsonst. Du erkennst sie an ihren im Verhältnis zur Blattmasse dicken und eher holzigen Wurzelausläufern. Auch Steine solltest du aufsammeln.

In unserem Video kannst du dir anschauen, wie wir beim Anlegen unseres Beetes genau vorgegangen sind:

Beetumrandung bauen und Wege anlegen

Beeteinfassungen sind kein Muss im Gemüsegarten, bieten aber einige Vorteile: Die Anbauflächen sind klar begrenzt und du muss nicht jedes Jahr neue Pflanzbereiche definieren. Außerdem können Einfassungen helfen, Unkraut und Schädlinge aus deinen Beeten fernzuhalten.

Durch die leicht erhöhte Fläche musst du beim Anlegen eines neuen Beets den Boden außerdem nicht so tief auflockern, da du ähnlich wie bei einem Hochbeet Humus auffüllen kannst.

Als Beetumrandung geeignet sind die unterschiedlichsten Materialien wie Holz, Stein oder Metall. Auch Buchsbäume oder Kräuter wie Lavendel oder Ysop eignen sich in größeren Gärten als Einfassung. Wir haben uns für eine einfache Umrandung aus Holzdielen entschieden, da das Material natürlich, leicht zu bearbeiten und stabil ist. Der Nachteil von Holz liegt im Vergleich zu Stein in seiner kürzeren Haltbarkeit. Diese kann durch eine entsprechende Behandlung mit einer Holzlasur verlängert werden.

Holzdielen abmessen für BeetumrandungBeetumrandung zusammenschrauben

Die vorgesägten Dielen haben wir jeweils mit 2 langen Schrauben an den Ecken verbunden. Für mehr Stabilität können an den Innen- oder Außenseiten noch Kanthölzer und/oder Winkel gesetzt werden. Unsere Beete sind jeweils 3 Meter lang und 1,20 m breit, wir können also von beiden Seiten pflanzen, pflegen und Unkraut jäten. Dazwischen liegen jeweils 30 cm breite Wege.

Für die Wege sollten möglichst durchlässige Materialien verwendet werden, damit der Boden weiterhin für Insekten zugänglich bleibt. Verwende zum Beispiel Hackschnitzel oder etwas weiter voneinander entfernte Steinplatten.

Falls du nicht jedes einzelne Beet, sondern den gesamten Garten umranden möchtest, misst du innerhalb der Umrandung einzelne Beete mit einer Schnur ab und befüllst die Wege mit Hackschnitzeln.

Kompost oder Humus auffüllen

Der Großteil der Arbeit ist erledigt, ein kleines Workout wartet aber noch auf dich: Die von Gras befreite und aufgelockerte Beetfläche wird mit einer 10 cm dicken Schicht Humus oder Kompost bedeckt, damit die Pflanzen später genügend Nährstoffe vorfinden.

Wenn deine Beetumrandung etwas höher ist, kannst du auch mehr Erde auffüllen und als untere Schicht weniger nährstoffreiche Erde verwenden.

Solltest du Kompost verwenden, achte darauf, dass dieser wirklich reif ist, sich also keine halb-verrotteten Teile mehr darin befinden, sonst können keine Pflanzen darin wachsen. Vielleicht hast du auch schon deinen eigenen Kompost angelegt und kannst die fertige Komposterde auf den Beeten ausbringen.

Sowohl Kompost als auch Humus bekommst du auch in der Kompostieranlage. Schau dir die Erde am besten vor dem Kauf an: sie sollte locker und dunkel sein und nach Wald riechen. Für den Transport ist je nach Gartengröße ein Anhänger nötig. Du kannst aber auch nachfragen, ob eine Lieferung möglich ist.

Humus wird abgeladen
Du kannst dir die Erde für deine Beete entweder liefern lassen oder sie mit einem Anhänger von der Kompostieranlage abholen.

In jedem Fall solltest du die Erde gleichmäßig verteilen, ein paar Schubkarren, Schaufeln, Rechen und helfende Hände können nicht schaden. Als Gegenleistung kannst du ja etwas von der späteren Ernte abgeben.

Nach 2–3 Wochen, in denen sich die Erde nochmal setzt und sich das Bodenleben etwas ordnen kann, dürfen die ersten Samen und Pflanzen einziehen.

Für gesunde und ertragreiche Pflanzen solltest du dir vor der Aussaat einen Beetplanerstellen und besonders auf die Prinzipien von Fruchtwechsel und Mischkultur achten.